Molitor Seite 5
Molitor

© Darkwulf

Inzwischen waren sie mehrere Monate unterwegs gewesen und hatte nach einer anstrengenden Reise den Rand der Sümpfe erreicht. Sie hatten ihre Pferde zurückgelassen und waren mehrere Stunden vom letzten Gasthaus entfernt. Beide trugen schwere Lederstiefel, die zumindest notdürftig den Schlamm und die Nässe abhalten konnten. Die Regenzeit hatte begonnen und verwandelte Pfade in reißende Bäche, die alles mit sich reißen konnten.

Sie folgten weiter der Gestalt, die schweigend über den Boden schwebte und dabei keinerlei Geräusch verursachte. Der Regen wurde stärker, vertrieb aber die plagenden Stechmücken für eine ganze Weile. Ihre Kleidung war größtenteils durchnässt und hätten sie ihre Nahrung und ihre Waffen nicht in das gewachste Pergament eingeschlagen, wären auch diese nach wenigen Tagen zum Teil nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Zeitraubend schlugen sie sich durch das dichte Gestrüpp, das ihnen immer wieder Wege versperrte.

Auf einigen Bäumen waren schreiende Affen zu hören, die offenbar den Regen verwünschten. Durch das dichte Gestrüpp konnte man jedoch noch nicht einmal diese sehen. Ihnen lief der Schweiß herab und sorgte noch zusätzlich für ein unangenehmes Gefühl. Efferdia hatte es inzwischen aufgegeben sich die Haare zu kämmen, die zusammengeklebte Knoten bildeten. Dann kamen sie an einem Abhang an, der zu steil war und keinerlei Haltemöglichkeiten bot, um dort hinab klettern zu können. So beschlossen sie eine Weile am Rand entlang zu laufen, um nach einer anderen Möglichkeit Ausschau zu halten, um in das kleine Tal zu gelangen, das dort unten lag.

Nach etwa einer Stunde fiel das Gelände endlich ab und sie entdeckten einen kaum sichtbaren Pfad, der an steinernen, überwucherten Treppen mündete, die sie hinabliefen. An den Steinen waren noch grüne Farbreste zu erkennen, die einst der Treppe ein urtümliches Aussehen verliehen. Dann waren sie am Ende der Treppe angekommen und vor ihnen erschloss das dicht überwucherte, kleine Tal, das gut 20 Schritt breit und 900 Schritt lang war. Sie durchstreiften es eine ganze Weile, bis sie wieder die Gestalt Molitors sahen, die nun durchscheinender wirkte als zuvor.

Sie hielt am Rande eines kleinen Sees an, dessen Wasser sehr trüb war. Der See durchmaß maximal zwei Schritt und die Oberfläche lag ruhig da. Über dessen Oberfläche zogen ein paar Moskitos ihre Bahnen. Es hatte bereits vor einer halben Stunde aufgehört zu regnen und bald würden noch mehr Insekten auftauchen. Langsam verschwand die Gestalt. ,, Wo müssen wir jetzt hin ?`` erkundigte sich Efferdia. ,, Wir sollten zum Ufer gehen und den See untersuchen.`` antwortete Falk, der ein Schluck aus seinem Wasserschlauch nahm und ihn seiner Frau reichte. Efferdia nahm ihn entgegen und trank genüsslich.

Als eine Weile nichts geschah fing Falk an, im Wasser watend, den Grund mit seinem Schwert ab zu suchen. Das Wasser war nicht sehr tief und so konnte er sich schnell voranarbeiten. Er war fast am anderen Ufer angekommen als sein Schwert an etwas festes stieß. Verblüfft fasste er mit seiner behandschuhten Hand danach und zog es heraus. Es handelte sich dabei um ein kleines, geschnürtes Päckchen, das mit einer dicken Wachsschicht überzogen war. Zögernd lief er wieder zu seiner Frau zurück, die am Ufer auf ihn gewartet hatte. ,, Was hast du gefunden ?´´ fragte Efferdia aufgeregt. Falk trat sich einigermaßen den Schlamm von den Stiefeln und streifte sie im Gras ab. Dann machte er sich daran das Päckchen auf zu schneiden.

Der Inhalt des Päckchens versetzte beide in Begeisterung. Es war ein goldenes Amulett das einen Drachen darstellte, der in mit seinen Klauen einen weißen und einen blauen Edelstein umklammerte. Der weiße Stein leuchtete ungewöhnlich in hellem weiß, wo hingegen der blaue Stein lediglich glänzte. Danach zuckten kleine, regenbogenfarbige, Blitze über die Oberfläche. Kurz darauf wurden sie von grünem Licht umgeben und nahmen etwas war, das sich irgendwo zwischen den Sträuchern bewegte. Später sahen sie einen attraktiven, etwa dreißig jährigen Mann, der aus den Büschen herauskam. Er begrüßte sie kurz, während er sich gerade Dreck von der Lederjacke strich. Verwundert blickten sahen sie ihn an und erwiderten seinen Gruß händedrückend. ,, Kann ich mein Amulett wiederhaben ?´´ bat der Fremde Falk, der das Amulett in seiner Hosentasche verwahrt hatte. ,, Ich bin Kapitän Reobald Hogan.`` bestätigte er beiden mit einem unterzeichneten Offizierspatent. ,, Habt ihr dieses Artefakt hier gefunden ?´´ ,, Ja das habe ich.´´ entgegnete er beiden und hielt dabei seine Hand auf in der plötzlich das Amulett lag. Verwirrt standen sie starr da und folgten Hogan, der ihnen währenddessen erklärte, das er wusste, wo Molitor zu finden war.

Es war inzwischen Nacht geworden und sie hatten ihr Zelt auf einer Lichtung aufgeschlagen und Hogan hatte sich bereit erklärt die Nachtwache zu übernehmen. So saß er am Lager und beobachtete das lodernde Feuer, während er nervös an seinem Anhänger rieb. Seine Haut juckte unangenehm, aber er unterließ es sich zu kratzen, da dadurch Schürfwunden entstehen konnten. In seinem Kopf konnte er wieder die ihm vertraute Stimme wahrnehmen. Noch konnte er den anderen sein Geheimnis nicht mitteilen.

Es war zu früh und es würde nur für Unruhe sorgen. Dann konnte er Schritte hören, die hinter ihm hielten. Hogan fuhr herum und sah eine .Echse mit roten Schuppen, die leicht lila glänzten, wenn das Licht auf sie fiel. Seine Augen funkelten amethystviolett und er ließ seine raue, tiefe Stimme ertönen:,, Suche mit ihnen die Quelle auf und begleite sie durch das was Ewig ist.´´ ,, Das werde ich, aber sag mir wie es möglich ist, dass dein Bewusstsein nicht von den Schatten in Besitz genommen wurde.´´ Verwundert sah ihn der Achaz an und setzte sich ans Feuer. Ausdruckslos sah er ins das Lagerfeuer.

Seine Schuppen sahen jetzt noch beeindruckender aus und um ihn herum sah man eine leicht grünlich schimmernde Aura, die ihn einzuhüllen schien. ,, Ich habe damals nicht alles erzählt, deshalb will ich es dir erklären.´´ ,, Wie du weißt trägst du einen Teil meines Bewusstseins in dir und dies hat mich davor bewahrt von den Schatten entrückt zu werden.´´ ,, Ich sprach mit niemandem mehr, seit sie mich zu Tode gefoltert hatten um die Götter zu besänftigen, deren Blutopfer ich nahm.´´ ,, Was ist aus ihr geworden ?´´ fragte Hogan wissbegierig.

,, Sie ist an meiner Seite, auch wenn sie nicht mehr so aussieht wie damals.´´ erklärte Rotrazil Arssachz nachdenklich. ,, Kann ich sie sehen ?´´ erkundigte sich Hogan. ,, Es würde dir den Verstand rauben und dich Besinnungslos machen !´´ antwortete Rotrazil hart. ,, Wie Nahe sind die Schatten uns schon gekommen ?`` fragte Reobald kleinlaut. ,, Sie werden uns bald gefunden haben .´´ erwiderte Arssachz ohne eine Regung zu zeigen. ,, Ich werde deinen Schutz brauchen Rotrazil . ´´ erläuterte Hogan feststellend.

,, Die wirst du nicht brauchen, denn du wirst bald mehr sein als nur ein Mensch !´´ Hogan bebte innerlich ,, Erklär ... es mir !´´ forderte Hogan Rotrazil auf. ,, Meine astrale ... Kraft, jedenfalls ein Teil davon, wird in dir aufkeimen und sie könnte dich töten, wenn du sie nicht unter deine Kontrolle bringen kannst.`` instruierte er Reobald Hogan, der sichtlich blass geworden war und nun wieder allein am heruntergebrannten Feuer saß.

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